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Semesterticket

Es ist beschlossen: Dass neue Semesterticket für die RWTH Aachen kostet 104,80€ im Semester, der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren (mit fixem Preis) und als Neuerung kann man jetzt zusätzlich Freunde oder Familie am Wochenende und am Abend mitnehmen. Ich hatte unter Twitter live über die Sitzung des Studierendendparlaments berichtet, auf der dies beschlossen wurde. Nun ist etwas Zeit vergangen, und ich möchte das ganze noch mal kurz zusammenfassen und bewerten.

Die Konditionen

Zuerst die wichtigsten Daten: Das Ticket gibt es ab Sommersemester 2012. Der Geltungsbereich ist wie gewohnt: Alles in NRW, und die Buslinien der ASEAG (bzw. im Auftrag der ASEAG) nach Vaals und Kelmis, sowie all die ganzen Zusatzgebiete für das NRW-Tickets. Der Grundpreis beträgt 102,42€ und ist für die gesamte Laufzeit des Vertrags fix. Dazu kommen im ersten Jahr (also Sommersemester 2012 und Wintersemester 2012/13) noch 2,38€ für die Personenmitnahme, für einen gesamten Preis von 104,80€.

Personenmitnahme

Unter dem sperrigen Punkt versteckt sich, dass man jemand anderen ohne Aufpreis mitnehmen kann. Dies gilt Werktags ab 19:00 und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen, aber nur im AVV-Bereich (ob hier die internationalen Buslinien dazu gehören weiß ich nicht. Ich habe einen E-mail an den AStA geschickt, aber dass der noch nicht geantwortet hat verwundert sicher nicht).

Dies ist in der Laufzeit begrenzt bis einschließlich Wintersemester 12/13. Im Sommersemester wird eine Studie über die Nutzung dieser Mitnahme angefertigt; danach kann sich das Studienparlament neu entscheiden (tut es dies nicht, dann endet die Vereinbarung automatisch). Von den Kosten für die Studie trägt die Studierendenschaft ein Drittel, aber gedeckelt auf 3500€.

Unabhängig davon können bis zu drei Kinder von sechs bis zwölf Jahren kostenlos mitgenommen werden, für die ganze Laufzeit des Tickets (Kinder unter sechs fahren eh kostenlos im AVV). Eine kuriose Bedingung die wohl von der FH gefordert wurde, aber für umsonst werde ich mich nicht darüber beklagen.

Die Verhandlung

Im Nachhinein kann man nur sagen: Der AVV hat gewonnen. Das neue Ticket ist tatsächlich sogar etwas teurer als das Angebot, dass im Dezember 2011 einstimmig vom Studierendenparlament abgelehnt wurde (hat dafür aber eben auch die Personenmitnahme). Die lange Begründung für die Ablehnung, die die Allgemeine Fachschaftsliste (AlFa) veröffentlichte und die sogar noch mal ausgedruckt an alle Gäste verteilt wurde, ist letztlich ungehört geblieben. Dass der AVV jetzt etwas weniger Geld durch die Personenmitnahme kriegt (früher waren wohl 5€/Semester im Gespräch) wiegt da sicher nicht so schwer.

Natürlich hatte das Studierendenparlament am Ende keine andere Wahl, wie auch das sehr eindeutige Ergebnis (39 Ja-Stimmen, eine Enthaltung, ein Nein) zeigte, und persönlich finde ich das Angebot auch immer noch sehr, sehr gut für die Leistung. Aber sollten die Listen bei der nächsten Wahl zum Studierendenparlament behaupten, dies sei ein Erfolg für sie gewesen, dann würde ich das nicht so stehen lassen.

Interessanterweise wurde dies auch bei der Sitzung größtenteils ausgeblendet. Bis auf eine Dame (Sorry, ich habe mir hier die Namen nicht gemerkt), die dafür sehr insistierte, nahmen die meisten das Grundangebot als gegeben hin und debattierten vor allem über Sinn oder Unsinn der Personenmitnahme. Die Argumente dafür und dagegen waren größtenteils die selben: Es ist billiger als selbst eine Einzelfahrt (bzw. 3 Einzelfahrten innerhalb der City-XL-Zone), aber andererseits sicher kein unverzichtbarer Bestandteil der studentischen Mobilität. Nur ein MSP erwähnte, dass die Preisersparnis durchaus relativ ist: So lange mir meine Freunde nicht Geld für die Mitbenutzung des Tickets zahlen, spare ich ja eigentlich nichts.

Persönlich denke ich, dass die Personenmitnahme ein unnützer Luxus ist. Auf der anderen Seite: Wenn sie schon mal da ist, werde ich sie auch einsetzen, und ich denke schon dass ich die 2,38€ im Semester wieder raushole. Wenn zum Beispiel meine Eltern zu besuch sind, fahren wir oft am Wochenende mit dem Auto in die Aachener Innenstadt. Mit dem neuen Ticket müssen wir das nicht mehr zwingend tun.

Neue Bahnstrecken

Ein Punkt, der mir am Rande auffiel: Herr Sistenich vom AVV wurde immer mal wieder gefragt, was der AVV denn so für Verbesserungen plane. Abgesehen von sehr vagen Aussagen zu mehr Nachtbussen führte er immer wieder die Bahnstrecke nach Heinsberg und den Ringbahnschluss an. Beide Projekte sind für mich als Bahnfan sehr interessant, aber der Nutzen für Studenten ist eher fragwürdig.

Wurmtalbahn

Die Bahnstrecke Heinsberg-Lindern, auch bekannt als Heinsberger Bahn oder jetzt vor allem Wurmtalbahn ist ein sehr interessantes Projekt der Reaktivierung, besonders da die Strecke elektrifiziert wird. Da aber nur 200 Studenten in Heinsberg wohnen, bringt es nicht wirklich viel. Natürlich wird Heinsberg damit interessanter als Studentenschlafort, aber diese Aufwertung ist nicht die Aufgabe des Semestertickets. Nebenbei liefert das geplante Flügelzugkonzept (zwei Triebwagen Baureihe 425 fahren in Aachen los und werden in Lindern getrennt; einer fährt nach Heinsberg, einer nach Krefeld) mehr Sitzplätze im Abschnitt Aachen-Lindern, aber ob die so dringend gebraucht werden? Tatsächlich klingt die Sitzplatzzahl für mich arg übertrieben; ein 426er (nur halb so lang) sollte es nach Heinsberg auch tun.

Ringschluss

Der Wiederaufbau der Strecke Alsdorf-Stolberg bindet Würselen ins Euregiobahn-Netz ein und bietet die Möglichkeit, Züge von Stolberg über Aachen, Herzogenrath, Alsdorf und Würselen wieder nach Stolberg fahren zu lassen (wo sie die Fahrrichtung ändern müssten für die nächste Runde). Nette Sache, aber man muss auch sagen: Die neue Strecke umfährt Aachen und die RWTH in einem weiten Bogen. Für Würselener wäre die Reise mit der Bahn zum Aachener Westbahnhof bestenfalls genauso schnell wie mit dem Bus zu fahren. Die Strecke dient Leuten, die durch die StädteRegion fahren wollen, aber nicht Pendlern die in die Aachener Innenstadt oder eben zur RWTH wollen.

Beide Projekte sind Sachen, auf die der AVV sicher Stolz sein kann, aber ein echter Vorteil für die Studenten entsteht hier nicht. Im Umkehrschluss heißt das auch: Die Projekte würden und werden auch ohne Studenteninteresse entstehen; es macht also keinen Sinn die Studenten hier überdurchschnittlich an der Finanzierung zu beteiligen.

Fazit

Mit dem neuen Semesterticket hat letztlich der AVV die Verhandlungen gewonnen. Weder auf der Preis- noch auf der Angebotsseite gab es echte Verbesserungen. Die Personenmitnahme ist kein schlechtes Trostpflaster, aber eben auch nicht mehr als das. Mich stört es nicht, denn das Ticket bleibt ja immer noch enorm günstig. Aber letztlich haben Studierendenparlament und AStA nicht die großen Ankündigungen erfüllen können, die es nach dem Ablehnen des letzten Angebots gab.

The Elder Scrolls VI

Skyrim, the fifth game of the renowned and awesome game series “The Elder Scrolls” has been released to a lot of general praise (only darkened a bit by the many bugs). It has gotten several “perfect” scores and on every top ten of 2011 list, it is number one or very close to the top. Not bad. I am huge fan myself1. But is this really all this game series can offer us?

In my opinion, the last big innovation in the Elder Scrolls series was Morrowind (The Elder Scrolls III). An entire island, carefully hand crafted, a lot of story lines, a very deep interaction and the most beautiful water ever — Morrowind was extremely impressive. With Oblivion (TES IV), they’ve improved and expanded upon Morrowind in many ways. And so did they with Skyrim, always optimizing the interface, the gameplay and the experience. With Skyrim, I think Bethesda has managed to make the perfect Morrowind. Well, almost: They could get rid of the mud crabs. And if you wanted, you could probably find twenty thousand other areas where they could make an even better Morrowind. But I think it is time to think about how the entire concept can be expanded.

Because for all the things that are awesome, all those games are characterized by shared limitations and issues. In some cases, Bethesda has tried to work around that; in others, they just pretend they don’t exist. But there is room for more in the series than just polish and a new country and storyline. Here are some of my ideas.

Make the world our own

One of the greatest thing about all Elder Scroll games is that they are never the same for two different people. How do your build your character? What weapons and tactics do you prefer? What quests do you do and in what order? You can truly make your game experience your own and build your completely unique character. I’d like to see this expanded to the entire world.

Right now, you can buy houses and upgrade them. Morrowind allowed you to build houses, and both Skyrim and Oblivion had a huge destruction of a smaller town at the beginning. But those are replacing one pre-designed part of the world with another. I want to be able to build my own a small farm in the plains east of Whiterun, to construct a bridge over a river or to plant or destroy a forest. In all the story lines, I am the chosen one, so why shouldn’t I be able to form the country to my liking?

People, not NPC

The NPCs have gotten better over time, but that was mainly the interaction with them. The writing has always been quite good. But at the end of the day, they remain simple conversation-dispensers. They do not act, and it is not really possible to build a relationship with them. Actually, all games try to give you a way to connect with them, either with a “likes me” meter, or in Skyrim even by marrying them – and it is all horrible, feeling incredibly fake. Compared to other (admittedly less vast) games such as the Half-Life series, it’s disappointing.

This is a big request, and I don’t know what it would take. Maybe real gestures? Maybe people who do more than just stand around or continue whatever they were doing while talking to you? Maybe spouses who have more than five conversation options and show more care than an employee who says “my love” a lot? It’s difficult, but even though it improved on Morrowind and Oblivion, Skyrim is still not that good at making conversation engaging.

Use physics

Right now, there are two gameplay uses for the physics engine introduced in Oblivion: Make a noise to draw people away, and put a bucket over a shopkeeper’s head so he won’t notice you stealing all his things. It does not have to be see-saw puzzles all the time, but more interesting uses for physics would sound great. The game has magic; why not some telekinesis?

Partly related to that: Ships and water have always been a big part of the Morrowind-like games, but I can’t use a boat or sit on the dock of the bay and watch the ships roll in. I don’t think I could either, given the current game engine, and I think the game is missing out on interesting opportunities due to that.

One of many

In all games, I am the chosen one, destined to rise to the top of whatever organization I join2, and for good reason: I am the only one who can actually do stuff. I guess that makes sense: It would certainly be annoying to go on a quest but realize that another random adventurer has already done the job for me (even if he got an arrow in the knee). But it also makes the world empty, and it gets weird when I get a job that involves taking a letter to someone living maybe twenty meters away from the sender. I would like to see NPCs actually traveling, doing things on their own account instead of hiring me to go to the store for them. If I could hire some adventurer to do a boring quest for me, I really wouldn’t mind. In an ideal world, I could maybe even teach other NPCs things and get money for that (or not, if they are my allies. Lydia could really use a better sneaking skill).

Balancing that with the idea that the player should initiate all major actions, as well as the need for key NPCs to be available most of the time (e.g. Shopkeepers, people I need for a quest) will not be trivial. I just don’t think the world feels alive enough as it is.

The inside was outside

Skyrim is based on a clear and distinct separation between inside and outside. Any inside is a new level with precisely defined transitions to other areas and no interaction between them. As a result, if you are inside a house, you cannot expect to be able to look out, and things that happen on the inside have no influence on the outside and vice versa. You can easily flee a dragon attack by going into a house, and you’ll be safe there.

This is annoying in terms of graphics. I mean, what’s the point of having amazing, beautiful vistas like Markarth or Solitude if we can’t look at them from the houses we buy there? But in terms of gameplay, it is just silly. Bandits in a room do not notice if I kill all their friends right outside the door, for example. Those seams may be among the most annoying things about the entire graphics engine. Which, of course, needs to be replaced to make this request work.

The Rest

There are many other things one could want as well. More variety than just “go to a dungeon and kill everything there” for 50% of the quests would be nice. Wildlife that does not always want to kill you would be a plus (they already managed to do so for bandits). But by themselves, those would be optimizations on the current formula, not really something new.


  1. Although it did give me motion sickness at first. The trick, at least for me: Set field of view to 90°. You can do that in the console: Just hit the left-most key in the number row, type fov 90 and press the same key again to leave. 

  2. Except the Imperial Bard’s College. They send me on quests to gather instruments they accidentally left in zombie-filled dungeons, but will they ever teach me to sing or play music? Nope. Well, screw you guys. 

Eberl vs. Junk

Am 11. September 2011 ist in Goslar die Stunde der Wahrheit: Es ist Kommunalwahl in Niedersachsen, und dabei wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt, als Nachfolger von Henning Binnewies (SPD), der vor kurzem abgewählt wurde. Ich überlege hier mal laut über die Kandidaten.

Derer gibt es insgesamt fünf, aber drei kann man ignorieren. Rüdiger Wohltmann (DIE LINKE) ist wohl der größte unter den Kleinen, denn als einziger Goslarer und lange Jahre führendes Mitglied der hiesigen SPD, nicht zu vergessen stellvertretender Bürgermeister, hat er durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad. Die Linke ist aber in Goslar zu klein, um ihm realistische Chancen zu geben. Henning Wehrmann ist Vorsitzender und manchmal denkt man Alleinmitglied der Bürgerliste Goslar, und vor allem bekannt als der, der im Goslarer Rat rummault wenn der Rest sich einig ist. Keinesfalls eine völlig unnütze Rolle. Das er kandidiert ist genauso sicher wie, dass er nicht gewinnen wird. Der letzte Kandidat ist Michael Lieblang (keine Website die ich finden konnte), ein Einzelkandidat und gelernter Bäcker (derzeit wegen Berufsunfähigkeit arbeitslos), der vorher noch nie auf der politischen Bühne aktiv war. Laut der Goslarschen Zeitung ist nicht mal sicher, ob er sich selbst wählen würde.

Es verbleiben also zwei ernstzunehmende Kandidaten: Dr. Christian Eberl, FDP, der von der SPD, der FDP und den Grünen unterstützt wird, und Dr. Oliver Junk, CSU (stammt aus Bayreuth), der von der CDU aufgestellt wurde. Ich sehe eine Reihe von Problemen, die beide lösen müssen.

  1. Die Stadt Goslar ist arm. Egal was passieren soll, es fehlt an Geld. Irgendwo müssen also Ausgaben gekürzt werden - keine große Sache, sollte man meinen, denn Goslar leistet sich relativ viel Luxus wie eigene Schulen, ein riesiges Kulturprogramm und so weiter. Auch an der Einnahmeseite kann man schrauben, besonders über eine Straßenausbausatzung, die schon seit Ewigkeiten als Schreckgespenst durch den Rat geistert, weil damit Hausbesitzer Geld für schon vor Jahren sanierten Straßen bezahlen sollen.
  2. Gleichzeitig kann die Stadt Goslar aber auch nicht zu viel kürzen. Das Goslarer Schulsystem braucht eher mehr als weniger Geld. Das Kulturprogramm ist ein wesentlicher Punkt im Wettstreit mit Nachbarstädten wie Bad Harzburg, Wernigerode, oder sogar Braunschweig. Die Goslarer Straßen erhalten schon seit Ewigkeiten viel zu wenig Geld.
  3. Der Punkt von alledem: Goslar verliert massiv an Einwohnern, teilweise weil Leute eher in Braunschweig oder Wolfsburg arbeiten, teilweise weil sie eher in Neubaugebiete im Harzvorland ziehen. Irgendwie muss Goslar deutlich attraktiver werden, sowohl für Familien als auch für Investoren, und wenigsten dass, was die Stadt hat, bewahren. Das kostet Geld, welches die Stadt nicht hat.

Kein einfaches Problem. Die Webseiten der Kandidaten helfen auch kaum weiter, da beide nur Probleme im Detail benennen, aber keine Lösungsvorschläge machen. Aber zwischen den Zeilen kann man doch etwas erkennen.

Christian Eberl

Man kann es gleich sagen: Wahrscheinlich wird er es. Mit Unterstützung von SPD, FDP und den Grünen hat er nicht nur die Hälfte der Goslarer Parteien auf sich vereint, sondernd auch noch die größten - SPD und FDP stellen derzeit die Koalition im Stadtrad, und besonders die SPD ist in Goslar traditionell recht stark.

In seinem Wahlprogramm legt er einen starken Fokus auf die Wirtschaft, die es zu fördern gilt. Im kulturellen Bereich will er das Odeon, das Goslarer Theater, zu einem Multifunktionalen Gebäude ausbauen, dass auch Teile der Veranstaltungen des Hotels Achtermann übernimmt. Das ist durchaus ein indirekter Angriff auf diejenigen, die gerne ein Gebäude hätten was nur als tolles Theater arbeitet.

Natürlich soll das EFZN (Energieforschzungszentrum Niedersachsen) weiter gefördert werden, wie auch die Schulen, und dabei viel Zusammenarbeit mit den anderen Städten in der Region geschehen.

Oliver Junk

Liebe CDU-ler, die ihr dies lest, lasst es mich mal ganz deutlich sagen: Ja, das Wort “Junk” klingt so ähnlich wie “jung”. Aber im Englischen heißt “Junk” einfach nur “Müll”, was durch das Wort “Junk-Food” für Essen z.B. von McDonald’s doch hinreichend bekannt sein sollte. Man sollte also niemals Werbesprüche wie Goslar wird Junk! verwenden.

Nun gut. Junk kommt aus Bayreuth und hat noch nicht mal von der CSU zur CDU gewechselt, so dass er als Einzelkandidat auf dem Wahlzettel erscheinen wird. Wer daher seine Abneigung gegen ihn Ausdrücken will, nennt ihn den Menschen von der CSU, um so seinen Exotenstatus herauszuheben. Ich persönlich hätte auch lieber einen Goslarer im Goslarer Rathaus, aber andererseits ist im Ratskeller schon seit Jahren ein bayrisches Restaurant, und das scheint auch keinen zu stören.

Eines seiner Hauptargumente ist die Förderung von Familien, wobei er meint dass Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen die beste Familienpolitik sind. Allerdings erwähnt er Punkte wie Kinderkrippen, Kindergärten und so weiter auch. Mittelkürzungen im Bereich Kultur lehnt er ab. Natürlich ist auch er wirtschaftsfreundlich, natürlich fördert auch er das EFZN, und natürlich will auch er mehr Zusammenarbeit in der Region.

Zusammenfassung

Beide Wahlprogramme sind äußerst dürftig und enthalten vor allem Allgemeines. Lösungsansätze sind Mangelware. Dabei glaube ich kaum, dass es diese nicht gibt; aber wie sie im Detail aussehen, ist wohl noch geheim. Ehrlich gesagt finde ich das etwas frustrierend.

Rein subjektiv betrachtet hat Christian Eberl die bessere Homepage; und dass er direkt von vielen der Goslarer Ratsfraktionen unterstützt wird kann nicht schaden. Dazu hat er auch einen etwas besseren Draht zu den Problemen der Region, da er ja gerade von hier kommt. Eine Wahlempfehlung ist das aber noch nicht; Ich persönlich bin noch unschlüssig, wen ich wählen werde. Keiner der beiden wirkt völlig inkompetent, aber beide haben auch kein Geheimrezept für die grundlegende Sanierung der Stadt in der Tasche.

Sind Bundeswehrsoldaten Helden?

Die Frage ist mit Absicht provokant gestellt. Ich beziehe mich hier explizit nicht auf die deutsche Geschichte, sondernd statt dessen auf die Realität in anderen Staaten, wie den USA, dem Vereinigten Königreich und so weiter. Besonders in den USA ist es allgemein anerkannt, dass Soldaten etwas wichtiges tun, für ihr Land arbeiten, Helden sind und so weiter. Praktisch sieht man das beispielsweise an der gelben Schleife, die Unterstützung für Truppen ausdrückt, daran, dass Fremde anscheinend gerne Soldaten in einer Bar etwas zu trinken kaufen und ähnlichem. Wir deutschen haben auch Soldaten in Afghanistan. Wieso gibt es bei uns so etwas nicht mal ansatzweise?

Das ist unabhängig von der Frage, ob wir den Krieg in Afghanistan (und es ist ein solcher, machen wir uns da nichts vor) gut finden oder nicht. Ich persönlich glaube nicht, dass er uns hilft, und habe große Zweifel ob am Ende ein Afghanistan rauskommt, das langfristig friedlicher und freundlicher bleibt als es vorher war. Aber der Krieg wird nun mal in unserem Auftrag gekämpft. Zwar sind die meisten Deutschen dagegen, wenn man sie denn fragt, aber anscheinend nicht so sehr, dass sich die Meinung der meisten Bundestagsparteien dadurch ändern würde — und wie man an der Atomkraft sah, kann sich diese Meinung oft erstaunlich schnell ändern.

Wir sind im Allgemeinen damit zufrieden, wenn der Krieg hinter verschlossenen Türen abläuft. Was die Bundeswehr da genau tut, ob gut oder schlecht, wird ignoriert. Wir erfahren von Soldaten, die getötet werden, hin und wieder. Wobei das geschah? Man denkt fast, es ist ihre Hauptaufgabe, Konvois durch die Gegend zu fahren, immer schön im Kreis bis etwas explodiert, so vage sind die Angaben. Auf der anderen Seite wäre es auch durchaus interessant zu wissen, wie viele Menschen schon von Bundeswehrsoldaten direkt oder indirekt getötet wurden. Der eine Bombenangriff ist bekannt, aber wie viele Fälle gab es, die als gerechtfertigt bezeichnet wurden und von denen wir nie erfahren haben?

Ich denke nicht, dass unsere Soldaten wirklich die Definition als “Helden” erfüllen. Aber sie machen verdammt gefährliche Jobs in unser aller Auftrag. Das verdient sicher wenigstens ein bisschen Anerkennung, aber vor allem auch viel Aufmerksamkeit von uns. Wir sollten uns genauer anschauen, was die Leute dort machen. Und wenn uns das nicht gefällt, wäre es vielleicht keine schlechte Idee, dies unseren Politikern deutlich zu sagen.

Stressless Bahnhof?

Es wurde schon viel über, für und gegen Stuttgart 21 gesagt, und zum größten Teil habe ich das ignoriert, weil andere es besser wussten und die meisten Informationen eh nicht öffentlich waren. Jetzt gibt es aber endlich ein schönes, langes, trockenes, technisches und erstaunlich spannendes Dokument, das man analysieren kann: Der Audit des Stresstests.

Der Stresstest war ein Ergebnis der Schlichtung: Die Bahn sollte sich einen Fahrplan ausdenken mit 30% mehr Zügen, und dann beweisen, dass dieser in Stuttgart funktioniert, mittels einer großen Computersimulation. Um zu zeigen, dass die Bahn nicht geschummelt hat, sollte die Schweizer Firma SMA und Partner ein Audit des Tests und der Ergebnisse machen. Dieses Audit liegt seit kurzem vor, und schon beginnen die Analysen.

Natürlich meint die Deutsche Bahn, dass der Stresstest bestanden ist, mit offiziellem Siegel. Natürlich meinen die Gegner, dass das vorliegende Dokument dies nicht beweist. Beide Sichtweisen kann man gut begründen. Oder man kann natürlich machen, was man in Deutschland seit Februar immer macht: Ein Wiki öffnen, in dem das diskutiert wird. In diesem Fall heißt das Ding Auditplag.1 Dieses scheint noch sehr in der Anfangsphase. Fürs erste empfehlen kann ich die Kurzanalysen http://www.rems-murr-gegen-s21.de/files/Offener_Brief_Stohler_110719.pdf, http://www.zukunft-mobilitaet.net/5305/eisenbahn/stuttgart-21-stresstest-download/ oder http://railomotive.com/2011/07/sma-distanziert-sich-von-testergebnis-und-fordert-umsetzung/ empfehlen (alle gefunden via Auditplag).

Ein paar entscheidende Kernpunkte:

  • Was ist überhaupt eine gute Betriebsqualität? Die Schlichtung hat das nicht definiert, daher ging DB Netz von der eigenen, schon länger existierenden Norm des “wirtschaftlich optimalen” Betriebs aus. Das heißt vereinfacht gesagt, dass die Züge am Ende des Bahnhofs höchstens genauso viel Verspätung hatten wie bei der Einfahrt.

    Das kann der Bahnhof wohl auch, wie der Test und das Audit belegen. Größere Störungen im Rest des deutschen Bahnsystems kann und soll der Bahnhof aber nicht abfedern. Wie manche der Kritiker schon sagen: Der Bahnhof hat eine “2” gekriegt, keine “1”. Zählt das noch als Bestanden?

  • Sind die Vorraussetzungen des Tests sinnvoll? Das ist sehr schwer zu beurteilen. Beispielsweise wirken einige der Haltezeiten der RE-Züge erstaunlich kurz. 90 Sekunden im Minimalfall ist vielleicht in Düren eine realistische Option, aber verglichen mit Großstädten wie zum Beispiel Hannover wirkt das doch sehr eng. Auch die Wendezeiten von minimal fünf Minuten kriegt man vielleicht hin und wieder hin, aber kann man davon ausgehen, dass das immer klappt, wenn es notwendig wird? SMA kann darauf keine Antworten liefern, besteht aber immerhin auf diesen 5 Minuten/90 Sekunden auch gerade da, wo das von DB Netz nicht vorgesehen war.

  • Einige Bereiche des entstehenden Systems in Stuttgart werden auf jeden Fall angespannt sein, insbesondere die S-Bahn. Und das ist unter der Annahme, dass diese besser ausgebaut wird, was derzeit so noch nicht geplant ist.

  • Es konnten keine sehr großen Verspätungen simuliert werden, wie sie ja im praktischen Leben immer wieder vorkommen. In solch einem Fall muss ein Disponent entscheiden, was passiert. Das lässt sich in einer Simulation nur in einem sehr geringen Maße implementieren, weil das irgendwo auch eine kreative Aufgabe ist.

  • Es gab (wie auch vereinbart) keinen Vergleich mit dem Hauptbahnhof, wie er derzeit besteht, oder mit einem der Kopfbahnhof 21-Projekte. Das heißt praktisch: Es ist nicht bewiesen, das Stuttgart 21 irgend etwas verbessert, nur dass er zumindest gewissen Verbesserungen im Nahverkehrssystem Baden-Württemberg nicht im Weg steht.

Zusammengefasst kann man also sagen: Der Stresstest beweist, dass Stuttgart 21 nicht zum Kollaps führen wird. Ob S21 deswegen eine gute Idee ist wird dagegen nicht beantwortet (was SMA sogar noch mal extra betont).


  1. Ist “-plag” für jedes umstrittene Dokument jetzt das deutsche Gegenstück zum englischen “-gate” für jeden Skandal? Was auch immer man von dem Bericht hält, die Leute bei SMA werden ihn wohl kaum abgeschrieben haben. 

Pirates of the Caribbean 4

On thursday, I watched the fourth Pirates of the Caribbean Movie, subtitled On Stranger Tides for no obvious reason. As always when I write a blog about it, I wasn’t too impressed. So here is a little review. Beware: There will be spoilers. It’s OK, though, because this movie is not worth watching anyway.

Okay, that’s a bit extreme. The movie is okay entertainment, a nice thing to eat popcorn to. In fact, thinking back, most of my criticism concerns the part of the movie after my popcorn ran out. Make of that what you will. But if you happen to have any of the first three on DVD, in particular the first, then it’ll be much more fun and cheaper to just watch that again.

Epic fail

There are a number of reasons for that, partly centered around the plot, partly the characters. Perhaps most surprising, though, is that the movie lacks epicness. In the old ones, we had varied islands, ship battles, a three-way fight on a moving wheel and so on. Sure, it was over the top, but that’s what you watch those movies for. Number four, on the other hand, starts in a few sets apparently left over from that Sherlock Holmes movie with Iron Man. Then there’s a tiny bit of a plot on some ships where a battle almost happens, but is then cancelled because the movie accountants said no. Finally, everybody reaches the island where Oceanic Flight 815 crashed and stays there until the movie is over.

Now, gregorian London is nice, there are some good sword fights in there and a few larger fight scenes as well, but none of that is impressive enough when compared with the first movies. The jungle of Oahu is great, but after six seasons of Lost, hardly something completely new and unusual. In fact, it appears much more menacing in Lost, and when a TV show manages to make the same location appear better than a Jerry Bruckheimer movie, something went wrong.

Plotting

The Pirate of the Caribbean movies always seemed to think that a strong plot could be adequately approximated with just a lot of plot, leading to a scene in the second movie when the two comic relief characters have to explain what the hell is going on to the audience. Now the plot has been cut down so much that after about thirty minutes, you can understand all parts of it except the plot holes, and damn, it is boring.

New big evil pirate Blackbeard wants to go to the Fountain of Youth because he’s going to die. Old big evil pirate Barbossa wants to kill Blackbeard. Blackbeard’s long-lost but recently rediscovered daughter Penelope Cruz1 wants to save her father. Cpt. Jack Sparrow gets dragged along because he might know something about the Fountain of Youth (he actually doesn’t) and apparently because he is bored. Some unnamed spanish guys also look for the FoY, because the writers thought “Damn, all those movies we forgot the spanish armada!” and also because they need to act as a Deus Ex Machina later. Finally, there is a romance subplot between two minor characters. Not sure who crowbarred that in there, but it seems incredibly pointless.

What truly bothers me is how little surprise there is. At the start of the journey, Blackbeard gives a plan how the movie will go, and everyone follows that plan and collects plot coupons until they can redeem them for the finale. There are some detours, but at no point does Blackbeard’s party have to change their actions at all.

Pirates and King’s Men

Now, normally I’d forgive a weak plot because the movie is a great spectacle and the characters are awesome. But the movie isn’t a great spectacle, and the characters… well, they fail too. All of their motivations for being in the movie are off-screen, and they might as well say “take my word for it”. Does Penelope Cruz love Blackbeard? She says she does, although we never quite see why, or whether he loves her. Is Barbossa’s quest to kill Blackbeard important? Well, Barbossa seems to think so, but since we never saw their first meeting, we just have to take his word for it. Weird considering how he never bothered to take revenge on the pirate who actually killed him before, i.e. Jack Sparrow. Jack in turn seems to be secretly in love with Penelope Cruz and vice versa, again due to a backstory where they were lovers. Showing a more human side of Jack by having him fall in love with someone new to him? Nah, too much work, let’s just assume these emotions exist already and don’t need any explanation. Fittingly, the movie always takes the longest possible time to show us a character’s actual face, trying to make us guess whether it is not Barbossa but actually, say, Worf from Star Trek who is about to enter the room. For the record, I’m not sure if that would have made a better movie, but at least it would have been new.

Captain Jack should, normally, be the heart and soul of the movie. Always a mystery but at the same time funny, and always with an agenda and a plan, he manages to surprise us at every turn. Well, except here. During the London part of the movie, we see some of his great escapes… as well as a detailed description of how he will do them beforehand, by showing all the important elements clearly on screen for a few seconds so that everybody gets it. Once the ships and hence the movies really start going, Jack becomes totally ineffectual. Usually always in command of his own destiny and hence the plot, he has now been shanghaied onto Blackbeard’s ship and remains under his control to the end. After a mutiny is cut short by Blackbeard arriving on the scene (because you know that a mutiny has officially lost once the captain has noticed it), he does not even attempt to escape anymore, and it becomes quite perplexing why he stays around. He does not want Blackbeard to live and he seems to like Penelope Cruz, and he wants some MacGuffin Blackbeard owns, but neither explains why he so readily complies with anything that happens to him.

Blackbeard, of course, is the real star of the movie. Oh, sure, the movie tries very hard to tell us that he is evil, but he never does anything particularly evil by pirate standards. Selfish, yes, but evil? His worst actions are killing a single of the mutineers, and even that not with at least a chance to save himself, and almost shooting his daughter to get Jack to do something, although he tries to not let her know that. None of that is nice, but both could have been as easily done by Barbossa or in fact Jack, and those are supposed to be the good guys here. Blackbeard is also quite successful, right until a scene at the end that was ripped off almost verbatim from Indiana Jones and the Last Crusade.

What can be said against Blackbeard is that he carries the idiot ball quite a few times. No characters are safe from it, but Blackbeard really causes some head-scratching. He goes through extremely great trouble to capture a mermaid, one of the plot coupons needed later. But when she almost dies and then can’t walk on her own, he threatens to kill her, because apparently he forgot that she was a huge investment, and to show that he is evil again. The idiocy gets so much at points that Jack Sparrow has to point it out, and I don’t think Johnny Depp should be the voice of reason in a Pirates movie.

The other characters remain fairly minor. If you had watched the trailer, you’d have thought Penelope Cruz was supposed to a worthy opponent to Jack Sparrow. But with three male pirates already, obviously the woman can’t be important. She never takes charge in anything, but always listens to her father who makes all the important decisions. Meanwhile, in any direct confrontation between her and Jack Sparrow, Jack wins unless she has help from others. Feminists should be outraged; personally I think it’s offensively boring, and a great opportunity completely wasted. Barbossa, meanwhile, seems to be ready to retire to his villa in London just as soon as he got that problem of Blackbeard over with. With a new position in the british royal navy, and generally not much to do, he manages for the first time to see truly old, instead of just look old.

Finally, there is the love story, between a missionary (captured by Blackbeard) and a mermaid, and it is baffling how anyone ever thought this was good or appealing. Maybe it’s some secret test and this blog post proves that I didn’t get that this was all a parody of Orlando Bloom and Keira Knightley. His character can be summed up as “is a priest”, “tries to be righteous”. I really think he never gets a name. He certainly does not have a backstory or in fact any reason we should care about him. Clergymen can be interesting characters, as anyone who saw Firefly or V knows, but this opportunity is completely wasted. Moral guidance to any of the characters? Improbable fighting skills against the abominations from hell? Personal conflict between his belief that everything is good and the reality of the pirates around him? Way too difficult, let’s just have him kiss a mermaid!

The mermaid, meanwhile, literally does not have a name until the priest gives her one (Syrena), because nothing says symmetrical relationship like one owing her individuality to the other. Her character is just as blank. The movie shows that mermaids are soulless and largely mindless killer creatures, and only tells us that she is different, without explaining how. As it is, she has three traits: She can show a bit of compassion; she is a damsel in distress; and finally, she looks good when wet and naked. I really, really have a hard time believing the missionary when he says that it is number one that attracted him to her.

Fun. Remember fun?

What is lacking from that list are comic relief characters. Not surprising, though, because most of the comedy is gone. Jack Sparrow still makes the occasional joke, but most of the other characters seem to think that their plot is serious and relevant, which it isn’t.

The verdict

Most of what was good about the old movies is gone. Nothing good new has been added. The movie does set up a sequel or two, but I’m not going to watch them. Mind you, it was not a bad experience, but I can’t recommend it either.


  1. I think her character has a name. Might start with A. Not sure, though, and I don’t care either. 

Guttenberg: Der Bericht

Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt ist der vollständige Bericht der Kommission “Selbstkontrolle in der Wissenschaft” der Universität Bayreuth zum Thema Karl Theodor zu Guttenberg fertig und veröffentlicht. Nach dem Guttenberg zurückgetreten und größtenteils untergetaucht ist, würde man denken, dass das Thema eigentlich schon längst erledigt sei. Nur leider gibt es immer noch viele Menschen (besonders in der Facebook-Gruppe “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg, die meinen, es war doch alles nicht so schlimm, und auf eine Rückkehr des ehemaligen Verteidigungsministers hoffen, und das macht diesen Bericht so furchtbar wichtig.

Der Bericht

Große Überraschungen enthält der Bericht auf seinen 25 Seiten nicht. Er beginnt damit, sehr detailliert zu erwähnen, dass die Uni sich selbst verpflichtet hat, solche Fälle zu untersuchen, schon lange bevor KT seinen Doktortitel erwarb. Vielleicht ist das nur normale Prozedur, aber wahrscheinlich ist den Autoren durchaus bewusst, dass Leute jetzt von einer Hetzjagd auf den arme, doch schon zurückgetretenen Karl-Theodor sprechen.

Dass plagiiert wurde bestreitet heute keiner mehr, und der Bericht sucht sich auch nur ein paar einzelne Beispiele heraus und verweist auf die allgemein bekannten Quellen (auch das Guttenplag-Wiki) für eine detaillierte Aufstellung.

Viel interessanter ist die Frage nach dem Vorsatz, den Guttenberg selbst ja immer noch bestreitet. Hier lässt die Kommission keinen Zweifel: Das kann nur Absicht gewesen sein. Guttenberg gibt ja durchaus Quellen an, nur verschleiert er, dass er diese Quellen teilweise komplett übernommen hat. Die von Guttenberg vorgebrachte Idee, dass er den Überblick verloren hat, überzeugt auch nicht - wer sich so viel mit fremden Texten beschäftigt sollte eher mehr über die Quellen wissen als weniger. Aber selbst wenn er den Überblick verloren haben sollte, meint die Kommission, dass hier eine vorsätzliche Täuschung vorliegen würde: Er hat grauenhaft mangelhaft gearbeitet (was er auch selbst zugibt) und dann hinterher trotzdem so getan, als wäre dies eine Arbeit, die nach wissenschaftlichen Standards erstellt sei, anstatt sie einfach nicht abzugeben und auf den Titel zu verzichten.

Zuletzt betrachtet wird natürlich auch die Frage, in wie fern die Uni und der Doktorvater schuld waren. Wenig überraschend erklärt der Bericht, dass den Doktorvater und den Zweitgutachter keine Schuld trifft. Man kann sich über diesen Punkt sicher gut streiten, aber selbst im schlimmsten Falle kann man beiden höchsten vorwerfen, nicht genau genug auf Guttenberg aufgepasst zu haben. Und besonders jemand, der Doktor sein will, sollte eigentlich zum selbstständigen Arbeiten, ohne ständige Kontrolle, in der Lage sein.

Die Bedeutung

Man kann Guttenberg immer noch gut finden. Tue ich persönlich nicht, aber ich will es niemand anderem nehmen; verglichen mit den Vorstrafenregistern mancher Hollywoodstars ist sein Fehlverhalten auf jeden Fall harmlos. Was ich aber nicht akzeptiere ist, wenn Leute behaupten, er habe gar nichts böses gemacht. Das ist schlicht und ergreifend Blödsinn. Er hat im großen Stil betrogen und belogen, um einen Doktortitel zu bekommen. Er hat vorsätzlich wissenschaftliche Standards und das Urheberrecht mit Füßen getreten, was unter Umständen auch noch strafrechtlich relevant werden kann. Und er streitet dies bis heute, trotz überwältigender Beweislast, ab. Unter diesen Umständen kann man zu Guttenberg einfach nicht als “ehrlich” bezeichnen, persönliche Meinung hin oder her. Der Komissionsbericht ist nun in so weit interessant, weil er noch mal schwarz auf weiß genau dies alles belegt: Guttenberg hat plagiiert, und das kann kein Versehen gewesen sein.

Ich hoffe ja, dass dies ein paar Leuten die Situation klar macht, aber ich habe nicht all zu große Erwartungen. Noch immer behaupten Leute, es seien Neider, die an allem Schuld waren, oder die Uni, die nicht genug aufgepasst hat. Wie Neider oder die Uni ursächlich dazu geführt haben, dass die Doktorarbeit ein Plagiat ist, wird aber wohl weiter ein Geheimnis bleiben.