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Semesterticket

Es ist beschlossen: Dass neue Semesterticket für die RWTH Aachen kostet 104,80€ im Semester, der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren (mit fixem Preis) und als Neuerung kann man jetzt zusätzlich Freunde oder Familie am Wochenende und am Abend mitnehmen. Ich hatte unter Twitter live über die Sitzung des Studierendendparlaments berichtet, auf der dies beschlossen wurde. Nun ist etwas Zeit vergangen, und ich möchte das ganze noch mal kurz zusammenfassen und bewerten.

Die Konditionen

Zuerst die wichtigsten Daten: Das Ticket gibt es ab Sommersemester 2012. Der Geltungsbereich ist wie gewohnt: Alles in NRW, und die Buslinien der ASEAG (bzw. im Auftrag der ASEAG) nach Vaals und Kelmis, sowie all die ganzen Zusatzgebiete für das NRW-Tickets. Der Grundpreis beträgt 102,42€ und ist für die gesamte Laufzeit des Vertrags fix. Dazu kommen im ersten Jahr (also Sommersemester 2012 und Wintersemester 2012/13) noch 2,38€ für die Personenmitnahme, für einen gesamten Preis von 104,80€.

Personenmitnahme

Unter dem sperrigen Punkt versteckt sich, dass man jemand anderen ohne Aufpreis mitnehmen kann. Dies gilt Werktags ab 19:00 und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen, aber nur im AVV-Bereich (ob hier die internationalen Buslinien dazu gehören weiß ich nicht. Ich habe einen E-mail an den AStA geschickt, aber dass der noch nicht geantwortet hat verwundert sicher nicht).

Dies ist in der Laufzeit begrenzt bis einschließlich Wintersemester 12/13. Im Sommersemester wird eine Studie über die Nutzung dieser Mitnahme angefertigt; danach kann sich das Studienparlament neu entscheiden (tut es dies nicht, dann endet die Vereinbarung automatisch). Von den Kosten für die Studie trägt die Studierendenschaft ein Drittel, aber gedeckelt auf 3500€.

Unabhängig davon können bis zu drei Kinder von sechs bis zwölf Jahren kostenlos mitgenommen werden, für die ganze Laufzeit des Tickets (Kinder unter sechs fahren eh kostenlos im AVV). Eine kuriose Bedingung die wohl von der FH gefordert wurde, aber für umsonst werde ich mich nicht darüber beklagen.

Die Verhandlung

Im Nachhinein kann man nur sagen: Der AVV hat gewonnen. Das neue Ticket ist tatsächlich sogar etwas teurer als das Angebot, dass im Dezember 2011 einstimmig vom Studierendenparlament abgelehnt wurde (hat dafür aber eben auch die Personenmitnahme). Die lange Begründung für die Ablehnung, die die Allgemeine Fachschaftsliste (AlFa) veröffentlichte und die sogar noch mal ausgedruckt an alle Gäste verteilt wurde, ist letztlich ungehört geblieben. Dass der AVV jetzt etwas weniger Geld durch die Personenmitnahme kriegt (früher waren wohl 5€/Semester im Gespräch) wiegt da sicher nicht so schwer.

Natürlich hatte das Studierendenparlament am Ende keine andere Wahl, wie auch das sehr eindeutige Ergebnis (39 Ja-Stimmen, eine Enthaltung, ein Nein) zeigte, und persönlich finde ich das Angebot auch immer noch sehr, sehr gut für die Leistung. Aber sollten die Listen bei der nächsten Wahl zum Studierendenparlament behaupten, dies sei ein Erfolg für sie gewesen, dann würde ich das nicht so stehen lassen.

Interessanterweise wurde dies auch bei der Sitzung größtenteils ausgeblendet. Bis auf eine Dame (Sorry, ich habe mir hier die Namen nicht gemerkt), die dafür sehr insistierte, nahmen die meisten das Grundangebot als gegeben hin und debattierten vor allem über Sinn oder Unsinn der Personenmitnahme. Die Argumente dafür und dagegen waren größtenteils die selben: Es ist billiger als selbst eine Einzelfahrt (bzw. 3 Einzelfahrten innerhalb der City-XL-Zone), aber andererseits sicher kein unverzichtbarer Bestandteil der studentischen Mobilität. Nur ein MSP erwähnte, dass die Preisersparnis durchaus relativ ist: So lange mir meine Freunde nicht Geld für die Mitbenutzung des Tickets zahlen, spare ich ja eigentlich nichts.

Persönlich denke ich, dass die Personenmitnahme ein unnützer Luxus ist. Auf der anderen Seite: Wenn sie schon mal da ist, werde ich sie auch einsetzen, und ich denke schon dass ich die 2,38€ im Semester wieder raushole. Wenn zum Beispiel meine Eltern zu besuch sind, fahren wir oft am Wochenende mit dem Auto in die Aachener Innenstadt. Mit dem neuen Ticket müssen wir das nicht mehr zwingend tun.

Neue Bahnstrecken

Ein Punkt, der mir am Rande auffiel: Herr Sistenich vom AVV wurde immer mal wieder gefragt, was der AVV denn so für Verbesserungen plane. Abgesehen von sehr vagen Aussagen zu mehr Nachtbussen führte er immer wieder die Bahnstrecke nach Heinsberg und den Ringbahnschluss an. Beide Projekte sind für mich als Bahnfan sehr interessant, aber der Nutzen für Studenten ist eher fragwürdig.

Wurmtalbahn

Die Bahnstrecke Heinsberg-Lindern, auch bekannt als Heinsberger Bahn oder jetzt vor allem Wurmtalbahn ist ein sehr interessantes Projekt der Reaktivierung, besonders da die Strecke elektrifiziert wird. Da aber nur 200 Studenten in Heinsberg wohnen, bringt es nicht wirklich viel. Natürlich wird Heinsberg damit interessanter als Studentenschlafort, aber diese Aufwertung ist nicht die Aufgabe des Semestertickets. Nebenbei liefert das geplante Flügelzugkonzept (zwei Triebwagen Baureihe 425 fahren in Aachen los und werden in Lindern getrennt; einer fährt nach Heinsberg, einer nach Krefeld) mehr Sitzplätze im Abschnitt Aachen-Lindern, aber ob die so dringend gebraucht werden? Tatsächlich klingt die Sitzplatzzahl für mich arg übertrieben; ein 426er (nur halb so lang) sollte es nach Heinsberg auch tun.

Ringschluss

Der Wiederaufbau der Strecke Alsdorf-Stolberg bindet Würselen ins Euregiobahn-Netz ein und bietet die Möglichkeit, Züge von Stolberg über Aachen, Herzogenrath, Alsdorf und Würselen wieder nach Stolberg fahren zu lassen (wo sie die Fahrrichtung ändern müssten für die nächste Runde). Nette Sache, aber man muss auch sagen: Die neue Strecke umfährt Aachen und die RWTH in einem weiten Bogen. Für Würselener wäre die Reise mit der Bahn zum Aachener Westbahnhof bestenfalls genauso schnell wie mit dem Bus zu fahren. Die Strecke dient Leuten, die durch die StädteRegion fahren wollen, aber nicht Pendlern die in die Aachener Innenstadt oder eben zur RWTH wollen.

Beide Projekte sind Sachen, auf die der AVV sicher Stolz sein kann, aber ein echter Vorteil für die Studenten entsteht hier nicht. Im Umkehrschluss heißt das auch: Die Projekte würden und werden auch ohne Studenteninteresse entstehen; es macht also keinen Sinn die Studenten hier überdurchschnittlich an der Finanzierung zu beteiligen.

Fazit

Mit dem neuen Semesterticket hat letztlich der AVV die Verhandlungen gewonnen. Weder auf der Preis- noch auf der Angebotsseite gab es echte Verbesserungen. Die Personenmitnahme ist kein schlechtes Trostpflaster, aber eben auch nicht mehr als das. Mich stört es nicht, denn das Ticket bleibt ja immer noch enorm günstig. Aber letztlich haben Studierendenparlament und AStA nicht die großen Ankündigungen erfüllen können, die es nach dem Ablehnen des letzten Angebots gab.

The Elder Scrolls VI

Skyrim, das fünfte Spiel in der beliebten und genialen Spielserie “The Elder Scrolls” ist rausgekommen und hat nur gute Reviews gekriegt (sieht man von den vielen Bugs ab). In vielen Reviews gab es perfekte Bewertungen, und in jeder Liste der Top Ten Spiele 2011 ist es ganz oben oder zumindest unter den ersten. Nicht schlecht. Ich selbst bin ein großer Fan[^1]. Aber ist das wirklich alles, was diese Serie uns bieten kann?

Ich denke die letzte wirklich große Innovation in der Elder Scrolls Serie war Morrowind (The Elder Scrolls III). Eine komplette Insel, detailreich gezeichnet, viele Storylines, Interaktivität mit so ziemlich allem und das schönste Wasser, dass es bis dahin gab — Morrowind war ein echter Meilenstein. Mit Oblivion (TES IV) hat Bethesda, der Entwickler, viel verbessert und erweitert. Und Skyrim verbessert und erweitert immer mehr, mit einem neuen Interface, mehr Gameplay mit weniger Ecken und schönerer Grafik. Ich würde sagen, Skyrim ist das beste Morrowind, das Bethesda machen kann. Mit Ausnahmen, natürlich, wie den Mud Crabs (Schlammkrabben) und sicher tausend anderen. Vermutlich könnte Bethesda auch noch ein viertes Morrowind-artiges Spiel herausbringen. Aber ich denke, es wird Zeit, darüber nachzudenken, was danach kommt.

Denn obwohl alles so toll ist, zeichnen sich all diese Spiele durch gemeinsame Probleme und Grenzen aus. In manchen Bereichen hat Bethesda ständig daran gefeilt; in anderen tut man nur so als würden sie nicht existieren. Die Serie hat Raum für mehr als nur neue Anstriche, Landschaft und Story. Hier sind ein paar Punkte, über die ich nachgedacht hatte:

Meine Welt

Vermutlich eine der besten Sachen in den Elder Scrolls Spielen ist, dass das Spiel für zwei verschiedene Spieler komplett unterschiedlich ist. Wie entwirft man seinen Charakter? Welche Waffen und Taktiken bevorzugt man? Welche Missionen erledigt man und in welcher Reihenfolge? Man kann wirklich eine komplett eigene Spielerfahrung und einen komplett eigenen Charakter machen. Ich hätte gerne, dass man das mit der ganzen Welt kann.

Im Augenblick kann man Häuser kaufen und erweitern. Morrowind erlaubt es, neue Häuser zu bauen, und Skyrim und Oblivion fangen jeweils mit der Zerstörung einer Kleinstadt an. Aber diese ersetzen nur einen vor-designten Teil der Welt durch einen anderen. Ich möchte eine kleine Farm in den Ebenen östlich von Whiterun bauen, eine Brücke haben wo noch keine existiert oder Wald abholzen oder aufforsten. In all den Storylines des Spiels bin ich der Auserwählte. Wieso sollte ich da nicht ein bisschen Immobilien bauen können?

Personen, nicht NPC

Die NPCs (Non-Player Characters) sind im Laufe der Serie immer besser geworden, aber das war vor allem die Interaktion mit ihnen. Die Texte waren schon immer gut, aber die anderen Leute bleiben einfach nur Konversationsspender. Sie handeln nicht wirklich, und es fällt schwer mit ihnen eine Beziehung aufzubauen. Tatsächlich versuchen alle Spiele, dies irgendwie zu beheben. In Morrowind und Oblivion ist es der “Mag mich” Messwert, in Skyrim kann man tatsächlich NPCs heiraten - und es ist immer grauenhaft implementiert. Es fühlt sich einfach nur steif und künstlich an. Im Vergleich zu (zugegebenermaßen deutlich kleineren) Spielen wie denen in der Half-Life Serie ist es einfach nur Mist.

Das ist eine große Sache, und vermutlich sehr aufwändig. Keine Ahnung, was nötig wäre. Vielleicht Figuren mit echter Gestik? Vielleicht mehr als einfach nur herumstehen oder das tun, was man vorher schon tat? Vielleicht Ehepartner die mehr als fünf Sätze sagen können und sich mehr kümmern als ein Angestellter der viel “my love” sagt? Es ist keine kleine Sache, aber obwohl es schon besser ist als in Morrowind und Oblivion ist Skyrim immer noch nicht sehr gut darin, Unterhaltungen echt interessant zu machen.

Angewandte Physik

Es gibt derzeit genau zwei Verwendungen für die Physikengine, die mit Oblivion eingeführt wurde: Ein Geräusch machen, um Leute wegzulocken, und einen Eimer über den Kopf eines Ladenbesitzer zu setzen so dass er nicht merkt, wenn man all seine Waren stiehlt. Es muss nicht immer das alte Wippen-Puzzle sein, aber mehr interessante Anwendungen für Physik würden nicht schaden. Beispielsweise hat das Spiel Magie. Wieso nicht etwas Telekinese?

Damit verbunden: Schiffe und Wasser waren immer ein wichtiger Teil der Spiele, aber ich kann kein Boot verwenden oder auf einem Dock in der Bucht sitzen und zuschauen wie die Schiffe einfahren. Mit der aktuellen Engine wäre das auch ziemlich sicher unmöglich, und ich finde das schade.

Einer von vielen

In allen Spielen bin ich der auserwählte Held und werde Anführer von jeder Organisation, der ich beitrete1, und aus gutem Grund: Ich bin der einzige, der tatsächlich etwas tun kann. Zu einem gewissen Grad macht das Sinn: Es wäre albern und doof, wenn ich eine Mission beginne, aber dann feststelle, dass ein anderer Abenteurer schon die ganze Sache erledigt hätte (ob mit oder ohne Pfeil im Knie). Aber dadurch wirkt die ganze Welt leer, und es ist schon komisch wenn ich den Job habe, jemanden einen Brief zu geben, obwohl der Adressat nur zwanzig Meter vom Sender entfernt wohnt. Ich hätte gerne NPCs die tatsächlich reisen und Sachen selbst tun. Wenn ich jemand anheuern könnte, einen langweiligen Quest für mich zu machen, würde ich sicher nicht nein sagen. Und wenn ich NPCs Dinge beibringen könnte, für Geld oder bei Freunden auch nicht (Lydia braucht mehr Sneak), dann werde ich sicher nicht nein sagen.

Das mit dem Prinzip zu balancieren, dass alles wichtige vom Spieler ausgelöst werden muss, ist sicher nicht trivial. Auch müssen wichtige NPCs immer verfügbar sein. Aber so wie es ist wirkt die Welt doch noch immer ziemlich leblos.

Das innen war außen

Skyrim hat eine klare Trennung zwischen innen und außen. Jeder Innenbereich ist ein neues Level mit wenigen, klar definierten Übergangspunkten zu anderen Leveln (oder außen) und keiner weiteren Interaktion zwischen diesen Leveln. Das heißt, wenn man innen ist kann man nicht durch Fenster sehen, und man entkommt sogar einem Drachenangriff in dem man einfach ein Haus betritt.

Das ist nervig, so weit es die Grafik betrifft. Wieso gibt es so schöne Städte wie Markarth und Solitude, wenn man sie am Ende doch nicht von den Häusern sieht, die man dort kauft? Aber für die Spiellogik ist die Trennung nur noch albern. Banditen in einem Raum merken nicht, wenn ich alle ihre Freunde direkt vor der Tür töte. Diese Trennkanten gehören zu den nervigsten Aspekten der gesamten Engine. Die also folglich ausgetauscht gehört.

Der Rest

Man kann vieles wollen. Mehr Abwechslung als “Gehe zu einer Höhle und töte alles dort” wäre nett (es gibt anderes, aber die Hälfte der Zeit ist es doch so). Tiere die einen nicht alle und sofort töten wollen hätten etwas. Aber für sich gesehen sind das nur Optimierungen der bestehenden Formel, nichts neues.


  1. Bis auf das Imperial Bard’s College. Dort gibt es nur Quests, um Instrumente aufzusammeln die irgend jemand versehentlich in einer Höhle voller Zombies vergessen hat. Nie bringt einem jemand bei, zu singen. Das ist doch Mist. 

Eberl vs. Junk

Am 11. September 2011 ist in Goslar die Stunde der Wahrheit: Es ist Kommunalwahl in Niedersachsen, und dabei wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt, als Nachfolger von Henning Binnewies (SPD), der vor kurzem abgewählt wurde. Ich überlege hier mal laut über die Kandidaten.

Derer gibt es insgesamt fünf, aber drei kann man ignorieren. Rüdiger Wohltmann (DIE LINKE) ist wohl der größte unter den Kleinen, denn als einziger Goslarer und lange Jahre führendes Mitglied der hiesigen SPD, nicht zu vergessen stellvertretender Bürgermeister, hat er durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad. Die Linke ist aber in Goslar zu klein, um ihm realistische Chancen zu geben. Henning Wehrmann ist Vorsitzender und manchmal denkt man Alleinmitglied der Bürgerliste Goslar, und vor allem bekannt als der, der im Goslarer Rat rummault wenn der Rest sich einig ist. Keinesfalls eine völlig unnütze Rolle. Das er kandidiert ist genauso sicher wie, dass er nicht gewinnen wird. Der letzte Kandidat ist Michael Lieblang (keine Website die ich finden konnte), ein Einzelkandidat und gelernter Bäcker (derzeit wegen Berufsunfähigkeit arbeitslos), der vorher noch nie auf der politischen Bühne aktiv war. Laut der Goslarschen Zeitung ist nicht mal sicher, ob er sich selbst wählen würde.

Es verbleiben also zwei ernstzunehmende Kandidaten: Dr. Christian Eberl, FDP, der von der SPD, der FDP und den Grünen unterstützt wird, und Dr. Oliver Junk, CSU (stammt aus Bayreuth), der von der CDU aufgestellt wurde. Ich sehe eine Reihe von Problemen, die beide lösen müssen.

  1. Die Stadt Goslar ist arm. Egal was passieren soll, es fehlt an Geld. Irgendwo müssen also Ausgaben gekürzt werden - keine große Sache, sollte man meinen, denn Goslar leistet sich relativ viel Luxus wie eigene Schulen, ein riesiges Kulturprogramm und so weiter. Auch an der Einnahmeseite kann man schrauben, besonders über eine Straßenausbausatzung, die schon seit Ewigkeiten als Schreckgespenst durch den Rat geistert, weil damit Hausbesitzer Geld für schon vor Jahren sanierten Straßen bezahlen sollen.
  2. Gleichzeitig kann die Stadt Goslar aber auch nicht zu viel kürzen. Das Goslarer Schulsystem braucht eher mehr als weniger Geld. Das Kulturprogramm ist ein wesentlicher Punkt im Wettstreit mit Nachbarstädten wie Bad Harzburg, Wernigerode, oder sogar Braunschweig. Die Goslarer Straßen erhalten schon seit Ewigkeiten viel zu wenig Geld.
  3. Der Punkt von alledem: Goslar verliert massiv an Einwohnern, teilweise weil Leute eher in Braunschweig oder Wolfsburg arbeiten, teilweise weil sie eher in Neubaugebiete im Harzvorland ziehen. Irgendwie muss Goslar deutlich attraktiver werden, sowohl für Familien als auch für Investoren, und wenigsten dass, was die Stadt hat, bewahren. Das kostet Geld, welches die Stadt nicht hat.

Kein einfaches Problem. Die Webseiten der Kandidaten helfen auch kaum weiter, da beide nur Probleme im Detail benennen, aber keine Lösungsvorschläge machen. Aber zwischen den Zeilen kann man doch etwas erkennen.

Christian Eberl

Man kann es gleich sagen: Wahrscheinlich wird er es. Mit Unterstützung von SPD, FDP und den Grünen hat er nicht nur die Hälfte der Goslarer Parteien auf sich vereint, sondernd auch noch die größten - SPD und FDP stellen derzeit die Koalition im Stadtrad, und besonders die SPD ist in Goslar traditionell recht stark.

In seinem Wahlprogramm legt er einen starken Fokus auf die Wirtschaft, die es zu fördern gilt. Im kulturellen Bereich will er das Odeon, das Goslarer Theater, zu einem Multifunktionalen Gebäude ausbauen, dass auch Teile der Veranstaltungen des Hotels Achtermann übernimmt. Das ist durchaus ein indirekter Angriff auf diejenigen, die gerne ein Gebäude hätten was nur als tolles Theater arbeitet.

Natürlich soll das EFZN (Energieforschzungszentrum Niedersachsen) weiter gefördert werden, wie auch die Schulen, und dabei viel Zusammenarbeit mit den anderen Städten in der Region geschehen.

Oliver Junk

Liebe CDU-ler, die ihr dies lest, lasst es mich mal ganz deutlich sagen: Ja, das Wort “Junk” klingt so ähnlich wie “jung”. Aber im Englischen heißt “Junk” einfach nur “Müll”, was durch das Wort “Junk-Food” für Essen z.B. von McDonald’s doch hinreichend bekannt sein sollte. Man sollte also niemals Werbesprüche wie Goslar wird Junk! verwenden.

Nun gut. Junk kommt aus Bayreuth und hat noch nicht mal von der CSU zur CDU gewechselt, so dass er als Einzelkandidat auf dem Wahlzettel erscheinen wird. Wer daher seine Abneigung gegen ihn Ausdrücken will, nennt ihn den Menschen von der CSU, um so seinen Exotenstatus herauszuheben. Ich persönlich hätte auch lieber einen Goslarer im Goslarer Rathaus, aber andererseits ist im Ratskeller schon seit Jahren ein bayrisches Restaurant, und das scheint auch keinen zu stören.

Eines seiner Hauptargumente ist die Förderung von Familien, wobei er meint dass Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen die beste Familienpolitik sind. Allerdings erwähnt er Punkte wie Kinderkrippen, Kindergärten und so weiter auch. Mittelkürzungen im Bereich Kultur lehnt er ab. Natürlich ist auch er wirtschaftsfreundlich, natürlich fördert auch er das EFZN, und natürlich will auch er mehr Zusammenarbeit in der Region.

Zusammenfassung

Beide Wahlprogramme sind äußerst dürftig und enthalten vor allem Allgemeines. Lösungsansätze sind Mangelware. Dabei glaube ich kaum, dass es diese nicht gibt; aber wie sie im Detail aussehen, ist wohl noch geheim. Ehrlich gesagt finde ich das etwas frustrierend.

Rein subjektiv betrachtet hat Christian Eberl die bessere Homepage; und dass er direkt von vielen der Goslarer Ratsfraktionen unterstützt wird kann nicht schaden. Dazu hat er auch einen etwas besseren Draht zu den Problemen der Region, da er ja gerade von hier kommt. Eine Wahlempfehlung ist das aber noch nicht; Ich persönlich bin noch unschlüssig, wen ich wählen werde. Keiner der beiden wirkt völlig inkompetent, aber beide haben auch kein Geheimrezept für die grundlegende Sanierung der Stadt in der Tasche.

Sind Bundeswehrsoldaten Helden?

Die Frage ist mit Absicht provokant gestellt. Ich beziehe mich hier explizit nicht auf die deutsche Geschichte, sondernd statt dessen auf die Realität in anderen Staaten, wie den USA, dem Vereinigten Königreich und so weiter. Besonders in den USA ist es allgemein anerkannt, dass Soldaten etwas wichtiges tun, für ihr Land arbeiten, Helden sind und so weiter. Praktisch sieht man das beispielsweise an der gelben Schleife, die Unterstützung für Truppen ausdrückt, daran, dass Fremde anscheinend gerne Soldaten in einer Bar etwas zu trinken kaufen und ähnlichem. Wir deutschen haben auch Soldaten in Afghanistan. Wieso gibt es bei uns so etwas nicht mal ansatzweise?

Das ist unabhängig von der Frage, ob wir den Krieg in Afghanistan (und es ist ein solcher, machen wir uns da nichts vor) gut finden oder nicht. Ich persönlich glaube nicht, dass er uns hilft, und habe große Zweifel ob am Ende ein Afghanistan rauskommt, das langfristig friedlicher und freundlicher bleibt als es vorher war. Aber der Krieg wird nun mal in unserem Auftrag gekämpft. Zwar sind die meisten Deutschen dagegen, wenn man sie denn fragt, aber anscheinend nicht so sehr, dass sich die Meinung der meisten Bundestagsparteien dadurch ändern würde — und wie man an der Atomkraft sah, kann sich diese Meinung oft erstaunlich schnell ändern.

Wir sind im Allgemeinen damit zufrieden, wenn der Krieg hinter verschlossenen Türen abläuft. Was die Bundeswehr da genau tut, ob gut oder schlecht, wird ignoriert. Wir erfahren von Soldaten, die getötet werden, hin und wieder. Wobei das geschah? Man denkt fast, es ist ihre Hauptaufgabe, Konvois durch die Gegend zu fahren, immer schön im Kreis bis etwas explodiert, so vage sind die Angaben. Auf der anderen Seite wäre es auch durchaus interessant zu wissen, wie viele Menschen schon von Bundeswehrsoldaten direkt oder indirekt getötet wurden. Der eine Bombenangriff ist bekannt, aber wie viele Fälle gab es, die als gerechtfertigt bezeichnet wurden und von denen wir nie erfahren haben?

Ich denke nicht, dass unsere Soldaten wirklich die Definition als “Helden” erfüllen. Aber sie machen verdammt gefährliche Jobs in unser aller Auftrag. Das verdient sicher wenigstens ein bisschen Anerkennung, aber vor allem auch viel Aufmerksamkeit von uns. Wir sollten uns genauer anschauen, was die Leute dort machen. Und wenn uns das nicht gefällt, wäre es vielleicht keine schlechte Idee, dies unseren Politikern deutlich zu sagen.

Stressless Bahnhof?

Es wurde schon viel über, für und gegen Stuttgart 21 gesagt, und zum größten Teil habe ich das ignoriert, weil andere es besser wussten und die meisten Informationen eh nicht öffentlich waren. Jetzt gibt es aber endlich ein schönes, langes, trockenes, technisches und erstaunlich spannendes Dokument, das man analysieren kann: Der Audit des Stresstests.

Der Stresstest war ein Ergebnis der Schlichtung: Die Bahn sollte sich einen Fahrplan ausdenken mit 30% mehr Zügen, und dann beweisen, dass dieser in Stuttgart funktioniert, mittels einer großen Computersimulation. Um zu zeigen, dass die Bahn nicht geschummelt hat, sollte die Schweizer Firma SMA und Partner ein Audit des Tests und der Ergebnisse machen. Dieses Audit liegt seit kurzem vor, und schon beginnen die Analysen.

Natürlich meint die Deutsche Bahn, dass der Stresstest bestanden ist, mit offiziellem Siegel. Natürlich meinen die Gegner, dass das vorliegende Dokument dies nicht beweist. Beide Sichtweisen kann man gut begründen. Oder man kann natürlich machen, was man in Deutschland seit Februar immer macht: Ein Wiki öffnen, in dem das diskutiert wird. In diesem Fall heißt das Ding Auditplag.1 Dieses scheint noch sehr in der Anfangsphase. Fürs erste empfehlen kann ich die Kurzanalysen http://www.rems-murr-gegen-s21.de/files/Offener_Brief_Stohler_110719.pdf, http://www.zukunft-mobilitaet.net/5305/eisenbahn/stuttgart-21-stresstest-download/ oder http://railomotive.com/2011/07/sma-distanziert-sich-von-testergebnis-und-fordert-umsetzung/ empfehlen (alle gefunden via Auditplag).

Ein paar entscheidende Kernpunkte:

  • Was ist überhaupt eine gute Betriebsqualität? Die Schlichtung hat das nicht definiert, daher ging DB Netz von der eigenen, schon länger existierenden Norm des “wirtschaftlich optimalen” Betriebs aus. Das heißt vereinfacht gesagt, dass die Züge am Ende des Bahnhofs höchstens genauso viel Verspätung hatten wie bei der Einfahrt.

    Das kann der Bahnhof wohl auch, wie der Test und das Audit belegen. Größere Störungen im Rest des deutschen Bahnsystems kann und soll der Bahnhof aber nicht abfedern. Wie manche der Kritiker schon sagen: Der Bahnhof hat eine “2” gekriegt, keine “1”. Zählt das noch als Bestanden?

  • Sind die Vorraussetzungen des Tests sinnvoll? Das ist sehr schwer zu beurteilen. Beispielsweise wirken einige der Haltezeiten der RE-Züge erstaunlich kurz. 90 Sekunden im Minimalfall ist vielleicht in Düren eine realistische Option, aber verglichen mit Großstädten wie zum Beispiel Hannover wirkt das doch sehr eng. Auch die Wendezeiten von minimal fünf Minuten kriegt man vielleicht hin und wieder hin, aber kann man davon ausgehen, dass das immer klappt, wenn es notwendig wird? SMA kann darauf keine Antworten liefern, besteht aber immerhin auf diesen 5 Minuten/90 Sekunden auch gerade da, wo das von DB Netz nicht vorgesehen war.

  • Einige Bereiche des entstehenden Systems in Stuttgart werden auf jeden Fall angespannt sein, insbesondere die S-Bahn. Und das ist unter der Annahme, dass diese besser ausgebaut wird, was derzeit so noch nicht geplant ist.

  • Es konnten keine sehr großen Verspätungen simuliert werden, wie sie ja im praktischen Leben immer wieder vorkommen. In solch einem Fall muss ein Disponent entscheiden, was passiert. Das lässt sich in einer Simulation nur in einem sehr geringen Maße implementieren, weil das irgendwo auch eine kreative Aufgabe ist.

  • Es gab (wie auch vereinbart) keinen Vergleich mit dem Hauptbahnhof, wie er derzeit besteht, oder mit einem der Kopfbahnhof 21-Projekte. Das heißt praktisch: Es ist nicht bewiesen, das Stuttgart 21 irgend etwas verbessert, nur dass er zumindest gewissen Verbesserungen im Nahverkehrssystem Baden-Württemberg nicht im Weg steht.

Zusammengefasst kann man also sagen: Der Stresstest beweist, dass Stuttgart 21 nicht zum Kollaps führen wird. Ob S21 deswegen eine gute Idee ist wird dagegen nicht beantwortet (was SMA sogar noch mal extra betont).


  1. Ist “-plag” für jedes umstrittene Dokument jetzt das deutsche Gegenstück zum englischen “-gate” für jeden Skandal? Was auch immer man von dem Bericht hält, die Leute bei SMA werden ihn wohl kaum abgeschrieben haben. 

Fluch der Karibik 4

Am Donnerstag sah ich mir den vierten Fluch der Karibik-Film an, der aus unerfindlichen Gründen den Untertitel “Fremde Gezeiten” erhalten hat. Wie immer wenn ich darüber blogge war ich nicht all zu beeindruckt. Daher hier eine kleine Review. Achtung, es wird Spoiler geben. Das sollte aber OK sein, denn dieser Film ist es nicht wert gesehen zu werden.

OK, das ist zu extrem. Der Film ist akzeptable Unterhaltung, ein guter Grund um Popcorn zu essen. Tatsächlich bezieht sich der größte Teil meiner Kritik auch auf den Teil, nach dem mein Popcorn ausgegangen ist. Keine Ahnung ob das relevant ist. Aber wer einen der ersten drei Filme auf DVD hat, besonders den ersten, der wird viel mehr Spaß haben wenn er sich das noch mal anschaut.

Epic fail

Dafür gibt es verschiedene Gründe, teilweise im Plot, teilweise in den Figuren. Am erstaunlichsten ist aber, dass der Film einfach nicht episch genug ist. In den alten gab es viele verschiedene Inseln, Schiff-zu-Schiff-Kömpfe, einen dreier-Kampf auf einem rollenden Rad und so weiter. Es war vielleicht teilweise zu viel, aber dafür schaut man sich die Filme halt an. Nummer vier, hingegen, spielt zuerst auf ein paar Sets die anscheinend vom Sherlock-Holmes-Film mit Iron Man übrig geblieben sind. Dann folgt ein kurzer Teil auf Schiffen, wo ein Schiff-zu-Schiff-Kampf vorbereitet wird, aber in der letzten Sekunde ausfällt, da die Buchhalter des Films ein Veto eingelegt haben. Nach ungefähr einem Drittel des Filmes wird schließlich die Insel erreicht, wo Oceanic Flight 815 abgestürzt war, und bleibt dort bis der Film vorbei ist.

Das gregorianische London ist hübsch, es gibt ein paar gute Schwertkämpfe und auch einige größere Szenen, aber im Vergleich zum ersten Film ist nichts davon besonders beeindruckend. Der Dschungel von Oahu ist klasse, aber nach sechs Staffeln von Lost nicht mehr wirklich frisch und neu. Tatsächlich sah er in Lost deutlich bedrohlicher aus, und wenn eine Fernsehserie die selbe Location besser aussehen lässt als ein Jerry-Bruckheimer-Film, dann ist irgend etwas schiefgelaufen.

Plotten

Die Fluch der Karibik-Filme dachten schon immer, dass man einen guten Plot ohne weiteres durch sehr viel Plot ersetzen kann, was zu einer Szene im zweiten Film führte wo zwei Nebencharaktäre sich noch mal gegenseitig die Handlung erklären müssen. Dieses Grundelement bleibt, aber nach dreißig Minuten hat man alles am Plot verstanden bis auf die Löcher, und damit ist er nur langweilig.

Neuer böser Pirat Blackbeard will die Quelle der ewigen Jugend, weil er sonst bald sterben wird. Alter böser Pirat Barbossa will Blackbeard töten. Blackbeards lang-verlorene und kürzlich wiedergefundene Tochter Penelope Cruz1 will ihren Vater retten. Kapitän zur See Jack Sparrow wird mitgeschleift, weil er angeblich etwas über den Jungbrunnen weiß (was er allerdings nicht tut) und anscheinend weil ihm langweilig ist. Ein Haufen unbenannter Spanier sucht ebenfalls nach der QdeJ, da den Autoren erst jetzt auffiel “Mensch, wir haben die ganze Zeit die spanische Armada vergessen!”. Zwei unbedeutende Nebencharaktere verlieben sich aus unerfindlichen Gründen auch noch.

Was mich am meisten stört ist, wie wenig Überraschungen es gibt. Am Anfang der Reise legt Blackbeard einen Plan vor, wie der Film gehen wird, und der wird dann brav abgearbeitet. Zwar gibt es ein paar Umwege, aber zu keinem Zeitpunkt muss Blackbeard seinen Plan in irgend einer Weise abändern. Die Leute sammeln brav die Plotcoupons und lösen sie dann für das Finale ein.

Piraten und die Männer des Königs

Normalerweise würde ich so einen schwachen Plot verzeihen, da die Filme alle ein großes Spektakel sind und die Charaktere herrlich. Nur leider fehlt es daran hier. Alle Motivationen der Charaktere sind Off-Screen, und sie könnten genauso gut auch sagen “Glaub mir einfach”. Liebt Penelope Cruz ihren Vater Blackbeard? Sie sagt ja, aber wir sehen nie wieso, oder ob er sie mag. Ist Barbossas Mission, Blackbeard zu töten, in irgend einer Weise wichtig? Barbossa scheint das zu denken, aber da wir nie ihre erste Begegnung sahen, ist das schwer zu sagen, besonders da Barbossa anscheinend keine Probleme mit Leuten hat, die ihn umgebracht hatten (wie Jack Sparrow). Jack wiederum scheint mal in Penelope Cruz verliebt gewesen zu sein und umgekehrt. Eine menschlichere Seite von Jack Sparrow zeigen, wie er sich tatsächlich in jemanden verliebt? Nee, zu viel Arbeit, lass uns davon ausgehen dass die Emotionen schon da sind und keine Erklärung brauchen. In das Schema passt es erstaunlich gut, dass der Film sogar zögert, die Gesichter der Charaktere zu zeigen. Jeder, der eingeführt wird, kriegt eine längere Szene in der wir anscheinend gespannt sein sollen, ob es statt Barbossa vielleicht doch eher Worf aus Star Trek ist, der hereinkommt. Keine Ahnung, ob das ein besserer Film gewesen wäre, aber zumindest wäre es mal was neues.

Captain Jack sollte, natürlich, immer der Kern des Films sein. Immer ein gewisses Mysterium, gleichzeitig lustig, und immer mit einer Strategie und einem Plan, kann er uns an jeder Ecke überraschen. Außer hier natürlich. Im London-Teil des Films gibt es ein paar gute Fluchtszenen, die aber alle damit beginnen, dass die Kamera uns genau die Elemente zeigt, die Jack dann später verwenden wird, damit wir auch ja nicht überrascht sind. Wenn dann die Schiffe und damit der Plot erst mal richtig losfahren, wird Jack komplett nutzlos. Normalerweise ist er in Kontrolle seines Schicksals und damit des Films. Hier ist er auf Blackbeards Schiff geschanghait worden und bleibt unter seiner Kontrolle bis zum Schluss. Nach einer kurzen Meuterei, die endet als Blackbeard auftaucht (denn wie alle wissen hat eine Meuterei offiziell verloren sobald der Captain davon erfährt), versucht er nicht mal mehr zu fliehen, und es fällt schwer zu erkennen, wieso er noch da bleibt. Er will nicht, dass Blackbeard die Quelle findet, er scheint Penelope Cruz zu mögen, er möchte ein MacGuffin das Blackbeard gehört, aber nichts davon erklärt wieso er so bereitwillig bei fast allem mitmacht.

Blackbeard ist natürlich der wahre Held des Films. Ja, man versucht uns fest zu erklären, dass er böse ist, aber das wird nie tatsächlich gezeigt. Er tötet einen der Anführer der Meuterei (gibt ihm aber zumindest eine theoretische Chance zu entkommen) und erschießt beinahe seine Tochter, versucht das aber vor ihr zu verbergen. Das ist zwar nicht nett, aber all das würde man Barbossa und Jack auch zutrauen, und die sollen hier die Guten sein. Blackbeard ist auch sehr erfolgreich, wenn auch nur bis zu einer Szene die praktisch direkt von Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug gestohlen wurde.

Was allerdings auffällt ist, wie oft Blackbeard den Idiotenball tragen muss. Kein Charakter ist davor sicher, aber Blackbeard erwischt es am meisten. Er unternimmt zum Beispiel große Anstrengungen, um eine Meerjungfrau zu fangen. Wenn sie dann aber fast stirbt und nicht alleine weiterkommt, ist er bereit sie zu töten, völlig unabhängig davon, dass sie für ihn eine sehr große und wichtige Investition darstellt. Auch andere Charaktere sind so dämlich dass Jack Sparrow mehrmals darauf hinweisen muss, und ich denke Johnny Depp sollte in einem Piratenfilm nicht die Stimme der Vernunft sein.

Die anderen Charaktere bleiben eher unbedeutend. Wer den Trailer sah, könnte denken, dass Penelope Cruz ein würdiger Gegenspieler für Jack sein sollte. Aber mit drei männlichen Hauptpiraten konnte man anscheinend der Frau keine Bedeutung zumessen. Sie ist nie in Kontrolle von irgend etwas, sondernd folgt immer den Befehlen ihres Vaters. In jeder direkten Konfrontation mit Jack verliert sie, außer sie hat zusätzliche Hilfe. Aus feministischer Sicht ist das vermutlich sehr, sehr Böse. Auf jeden Fall ist es sehr langweilig und eine vertane Chance. Barbossa, dagegen, sieht aus als wäre er bereit für den Ruhestand in einer Londoner Stadtvilla. Mit einer neuen Position in der Royal Navy und nicht wirklich viel zu tun wirkt er vor allem alt, statt wie bisher nur so auszusehen.

Zuletzt gibt es die Liebesgeschichte zwischen einem Missionar (den Blackbeard vor langer Zeit mal eingefangen hatte) und einer Meerjungfrau, und es erstaunt mich echt wie jemand denken könnte, dies wäre gut. Vielleicht beweist dieser Blogpost ja, dass ich es nicht verstanden habe und das ganze in Wahrheit eine Parodie von Orlando Bloom und Keira Knightley ist. Auf jeden Fall ist der Charakter des Missionars todlangweilig und kann zusammengefasst werden als “beschwert sich mit Eifer”. Ich denke wirklich er kriegt nie einen Namen. Priester und so können gute Charaktere sein, wie die Fernsehserien Firefly und V beweisen, aber die Chance wird hier vertan. Moralische Anleitung für die Hauptcharaktere? Unwahrscheinlich gute Kampfkünste gegen die Mächte des Bösen? Innerer Konflikt zwischen dem Glauben an das Gute im Universum einerseits und der Realität der Piraten andererseits? Alles zu schwierig, lass ihn statt dessen eine Meerjungfrau küssen!

Die Meerjungfrau hat nun wirklich keinen Namen bis der Missionar ihr einen gibt (Syrena), denn nichts sagt “gleichberechtigte Beziehung” so sehr wie wenn die eine Seite der anderen ihre gesamte Individualität schuldet. Im Film sind Meerjungfrauen immer seelenlose und relativ geistlose Killermaschinen, und dass sie anders ist wird uns nur gesagt, ohne Erklärung wie genau. Insgesamt hat sie so drei Eigenschaften: Sie kann ein bisschen Mitgefühl zeigen; sie ist eine Jungrau in Nöten; und zuletzt sieht sie gut aus wenn sie nackt und nass ist. Und wir sollen glauben dass es Punkt eins ist, wegen dem sich der Missionar in sie verliebt hat?

Spaß. Erinnert ihr euch noch daran?

Was hier fehlt sind lustige Nebencharaktere in irgend einer Form. Das ist aber nicht verwunderlich, denn der größte Teil des Witzes der alten Filme (besonders des ersten) ist verloren. Jack Sparrow macht immer noch den einen oder anderen Witz, aber die meisten anderen Figuren scheinen zu denken, dass ihr Plot ernst und wichtig ist, was natürlich nicht stimmt.

Das Urteil

Das meiste, was an den alten Filmen gut war, ist weg. Nichts gutes neues wurde hinzugefügt. Der Film bereitet klar ein oder zwei Nachfolger vor, aber ich werde sie mir nicht anschauen. Ich muss noch mal sagen, dass der Film nicht in irgend einem Sinne schlecht ist, aber empfehlen kann ich ihn auch nicht.


  1. Ich bin mir sicher dass ihr Charakter einen Namen hat, aber ich kann mich nicht dran erinnern und es interessiert mich auch nur wenig. 

Guttenberg: Der Bericht

Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt ist der vollständige Bericht der Kommission “Selbstkontrolle in der Wissenschaft” der Universität Bayreuth zum Thema Karl Theodor zu Guttenberg fertig und veröffentlicht. Nach dem Guttenberg zurückgetreten und größtenteils untergetaucht ist, würde man denken, dass das Thema eigentlich schon längst erledigt sei. Nur leider gibt es immer noch viele Menschen (besonders in der Facebook-Gruppe “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg, die meinen, es war doch alles nicht so schlimm, und auf eine Rückkehr des ehemaligen Verteidigungsministers hoffen, und das macht diesen Bericht so furchtbar wichtig.

Der Bericht

Große Überraschungen enthält der Bericht auf seinen 25 Seiten nicht. Er beginnt damit, sehr detailliert zu erwähnen, dass die Uni sich selbst verpflichtet hat, solche Fälle zu untersuchen, schon lange bevor KT seinen Doktortitel erwarb. Vielleicht ist das nur normale Prozedur, aber wahrscheinlich ist den Autoren durchaus bewusst, dass Leute jetzt von einer Hetzjagd auf den arme, doch schon zurückgetretenen Karl-Theodor sprechen.

Dass plagiiert wurde bestreitet heute keiner mehr, und der Bericht sucht sich auch nur ein paar einzelne Beispiele heraus und verweist auf die allgemein bekannten Quellen (auch das Guttenplag-Wiki) für eine detaillierte Aufstellung.

Viel interessanter ist die Frage nach dem Vorsatz, den Guttenberg selbst ja immer noch bestreitet. Hier lässt die Kommission keinen Zweifel: Das kann nur Absicht gewesen sein. Guttenberg gibt ja durchaus Quellen an, nur verschleiert er, dass er diese Quellen teilweise komplett übernommen hat. Die von Guttenberg vorgebrachte Idee, dass er den Überblick verloren hat, überzeugt auch nicht - wer sich so viel mit fremden Texten beschäftigt sollte eher mehr über die Quellen wissen als weniger. Aber selbst wenn er den Überblick verloren haben sollte, meint die Kommission, dass hier eine vorsätzliche Täuschung vorliegen würde: Er hat grauenhaft mangelhaft gearbeitet (was er auch selbst zugibt) und dann hinterher trotzdem so getan, als wäre dies eine Arbeit, die nach wissenschaftlichen Standards erstellt sei, anstatt sie einfach nicht abzugeben und auf den Titel zu verzichten.

Zuletzt betrachtet wird natürlich auch die Frage, in wie fern die Uni und der Doktorvater schuld waren. Wenig überraschend erklärt der Bericht, dass den Doktorvater und den Zweitgutachter keine Schuld trifft. Man kann sich über diesen Punkt sicher gut streiten, aber selbst im schlimmsten Falle kann man beiden höchsten vorwerfen, nicht genau genug auf Guttenberg aufgepasst zu haben. Und besonders jemand, der Doktor sein will, sollte eigentlich zum selbstständigen Arbeiten, ohne ständige Kontrolle, in der Lage sein.

Die Bedeutung

Man kann Guttenberg immer noch gut finden. Tue ich persönlich nicht, aber ich will es niemand anderem nehmen; verglichen mit den Vorstrafenregistern mancher Hollywoodstars ist sein Fehlverhalten auf jeden Fall harmlos. Was ich aber nicht akzeptiere ist, wenn Leute behaupten, er habe gar nichts böses gemacht. Das ist schlicht und ergreifend Blödsinn. Er hat im großen Stil betrogen und belogen, um einen Doktortitel zu bekommen. Er hat vorsätzlich wissenschaftliche Standards und das Urheberrecht mit Füßen getreten, was unter Umständen auch noch strafrechtlich relevant werden kann. Und er streitet dies bis heute, trotz überwältigender Beweislast, ab. Unter diesen Umständen kann man zu Guttenberg einfach nicht als “ehrlich” bezeichnen, persönliche Meinung hin oder her. Der Komissionsbericht ist nun in so weit interessant, weil er noch mal schwarz auf weiß genau dies alles belegt: Guttenberg hat plagiiert, und das kann kein Versehen gewesen sein.

Ich hoffe ja, dass dies ein paar Leuten die Situation klar macht, aber ich habe nicht all zu große Erwartungen. Noch immer behaupten Leute, es seien Neider, die an allem Schuld waren, oder die Uni, die nicht genug aufgepasst hat. Wie Neider oder die Uni ursächlich dazu geführt haben, dass die Doktorarbeit ein Plagiat ist, wird aber wohl weiter ein Geheimnis bleiben.